Das Kriegsbestreben

it einem lauten Ächzen riss Saegan an seiner Angel. Der Fisch schoss aus dem Wasser und über seinen Kopf, glitzernden Schuppen in der Nachmittagssonne, und landete zielgenau auf dem gewaltigen Stapel von Fischen hinter ihm. Zufrieden durch seinen Bart pfeifend beugte sich der Zwerg über seinen Fang, entfernte den Haken, und band das Netz um seine Beute zusammen. Mit schwieligen, erfahrenen Händen nahm er seine Angel auseinander und verstaute seine Ausrüstung in seinem Rucksack. Dann warf er sich das Netz über die Schulter und humpelte zurück über den Quai.

Der Greifenmeister von Menethil blickte skeptisch auf den Zwerg herab, als dieser mit den Fischen auf seinem Rücken vor ihm stand. Die Greifen jedoch gerieten völlig aus dem Häuschen, als der Geruch frischer Fische (und noch dazu ziemlich vieler frischer Fische) in ihre Richtung wehte. Saegan lächelte und zwinkerte dem Greifenmeister zu. „Ich hab einen Leckerbissen für den Greifen, der mich zurück nach Eisenschmiede fliegt und die Ladung hier sicher abliefert.“ Wenige Minuten später saß er im Sattel hoch über den Bergen, auf dem Rücken eines glücklichen Greifs, der das Netz voller Fische sicher in seinen Klauen hielt.

Der Fischer blickte hinab auf Dun Morogh, als sie die Spitze der schneeumwehten Berge von Eisenschmiede überflogen hatten. Tief unter sich am Boden konnte er Armeen erkennen, die sich auf den kommenden Krieg vorbereiteten. Von so hoch oben sahen sie fast aus wie Figuren auf einem Spielbrett... Eisenschmiede war der Sammelpunkt von Abenteurern und Kundschaftern aus allen Ländern Azeroths, die von hier aus zu ihren jeweiligen Bestimmungsorten aufbrachen. Der vertraute Geruch des Krieges lag in der Luft. Als Saegans Greif durch die Tore Eisenschmiedes segelte, nahm der Zwerg subtile Änderungen an der üblichen Geräuschkulisse der Stadt wahr. Das Donnern der Großen Schmiede war beinahe ohrenbetäubend; dazu gesellten sich scharf gebrüllte Marschbefehle verschiedener Schlachtgruppen und der Klang zahlloser Übungsschwerter. Eisenschmiede war das schlagende Herz der Kriegsmaschine der Allianz, die langsam aber sicher in Fahrt kam.

Sobald der Greif gelandet war stieg Saegan aus dem Sattel und warf der flinken Kreatur einen letzten Fisch aus seinem Fang zu. „So, das reicht jetzt!“ lachte er, als der Greif fragend mit seinem Schnabel nach dem Netz pickte. „Der Rest ist für den Krieg.“ Die Last einmal mehr über seine Schulter werfend wand sich Saegan um und hinkte um die Große Schmiede herum zum Bronzenen Kessel. Währenddessen warf er mit seinem gesunden Auge einen Blick auf den gewaltigen Amboss im Zentrum der Schmiede. Schmiede aller Völker erschufen todbringende Waffen und schützende Rüstungen, gänzlich auf ihre Arbeit konzentriert und bestrebt, ihr Pensum so schnell wie möglich zu erfüllen. Der Zwerg schüttelte seinen Kopf, als er schließlich den Bronzenen Kessel betrat.

Daryl blickte von seiner Arbeit auf, als Saegan sein Netz auf den Tisch warf. „Beeindruckender Fang. Gibt’s ein Fest?“

„Aye, aber nicht hier, sondern an der Front. Hilf mir bitte, die hier auszunehmen. Ich hätte es ja da unten gemacht, aber Menethil ist schließlich nur einen Greifenhüpfer entfernt, und außerdem war mir nach ein wenig Gesellschaft.“ Saegan nahm sein Messer, griff sich einen der Fischen, und begann.

Die nächsten Stunden unterhielten sie sich über bratenden Fischen über die jüngsten Ereignisse. Die Bedrohung durch die Silithiden wuchs mit jedem Tag. Mächtige Abenteurer suchten in allen Winkeln der Welt nach der Antwort auf das Rätsel des Skarabäuswalls. Die Jungen und die Versehrten waren allerdings nicht untätig. Die Front in Kalimdor musste ständig mit Nachschub versorgt werden: Nahrung, Metall, Kräuter, alle Arten von Materialien. Jeden Tag trafen neue Befehle ein, die mehr Nachschub für die Kämpfer jenseits des Ozeans verlangten. Saegan war nicht mehr jung, war es schon seit langer Zeit nicht mehr, und sein Bein war bei einem Kampf mit einem Tauren vor einigen Jahren übel verletzt worden. Mit den jungen, kräftigen Kämpfern konnte er daher nicht mithalten. Widerwillig hatte er sein Schwert an den Nagel gehängt und kämpfte nun mit seiner Angel für die Allianz, deren Truppen er täglich mit frischen Fischen versorgte. Es war zwar nicht die ruhmreichste Aufgabe, aber dennoch musste sich jemand darum kümmern.

Schließlich waren die Rationen fertig und bereit, verschickt zu werden. Daryl half Saegan dabei, die Fische zu verpacken. „Soll ich dir vielleicht beim Tragen helfen?“ fragte Dary, während der Fischer zur Tür hinaus humpelte.

„Nah,“ rief Saegan über die Schulter zurück, „ich muss meinen Teil dazu beitragen, diese verfluchten Käfer zu zerquetschen; und soviel kann ich wenigstens selbst tun.“ Die stark riechende Kiste fest im Griff machte sich der Zwerg langsam auf den Weg zum Militärviertel. Jägerin Swiftriver würde heute jede Menge Essen für die Soldaten erhalten.


Erfahrt mehr über den Krieg der wehenden Sande


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