Olibith ist ein französischer Spieler, der es geschafft hat, mit seinen ausgezeichneten, im World of Warcraft-Universum spielenden Filmen seine Spuren in der internationalen World of Warcraft-Community zu hinterlassen. Sein Blog, in dem er regelmäßig schreibt, versorgt uns mit immer neuen seiner Werke, außerdem mit seinen Gedanken, kleinen Informationsbrocken und seiner Kunst. In diesem Interview wollen wir seine schillernde Persönlichkeit enthüllen und einen Blick auf die kleinen Geheimnisse werfen, auf denen seine Meisterwerke beruhen.
Zuallererst, könntest du uns ein wenig darüber erzählen, wer du bist und wie du in deinem kreativen Leben an diesen Punkt gelangt bist?
Ich bin schon lange kein Teenager mehr, auch wenn ich noch einige der Symptome besitze. Ich bin ein glücklicher Vater und Grafikdesigner/-illustrator, derzeit auf der Suche nach einer neuen Anstellung.
Ich habe angefangen, World of Warcraft zu spielen, sobald es veröffentlicht wurde, um den 22. Februar 2005 herum. Ich muss sagen, dass ich eine Weile darauf gewartet habe, ein MMORPG für den Macintosh zu bekommen, da ich damals keinen PC besaß. Ich hatte Blizzard-Spiele schon seit Diablo II gespielt und wartete sehnsüchtig auf World of Warcraft, betend, dass mein G4 mit 733 MHz stark genug für das Spiel war. Schließlich fand ich glücklicherweise einen PC zwischen den Käse- und Sockenregalen eines Supermarkts, denn mein armer Mac war kein großer Fan von 40-Mann-Raids. Etwa im April 2006 habe ich angefangen, Machinimas zu erstellen. Damals kannte ich dieses Wort noch gar nicht, ich fand nur, dass dieser Song von der Bonzo Dog Band, “Urban Spaceman“, sich wirklich gut mit meinem Charakter (Olibith) und seinem Rollenspiel vertrug.
Ich suchte nach einem Weg, Videos vom Spiel aufzunehmen. Ich hatte den Windows Movie Maker auf meinem PC installiert und erstellte mein erstes Video an einem Tag. Später allerdings entdeckte ich durch andere Leute einen Weg, Bilder, Ton und Ideen auf aufregende Weise zu verbinden. Eine fühlbare Aufregung, Adrenalin in fast materieller Form, erfasste mich. Seitdem habe ich nicht mehr damit aufgehört und ein Teil meines Gehirns ist zu jeder Zeit dafür reserviert.
Vor kurzem wurden deine Werke für einige Machinima-Ausstellungen rund um die Welt ausgewählt. Wie hast du darauf reagiert und wie hat das Feedback der internationalen Gemeinschaft deine Arbeitsweise beeinflusst?
Es gibt mir die Motivation, weiterzumachen. Es ändert nichts an meiner grundlegenden Sichtweise der Dinge, da das Spaßhaben vor allem anderen kommt. Ich hatte einfach ein großes Bedürfnis, meine technischen Kenntnisse zu verbessern, um meinen „Spielplatz“ zu vergrößern. Alles fing an, als ich versuchte, des Nachts eines meiner Videos auf eine große World of Warcraft-Website hochzuladen. Am nächsten Tag wurde er als „Film des Tages“ gelistet. Ich war total aus dem Häuschen. Damals fing ich an, mich mit anderen Machinima-Autoren per Email auszutauschen, ihre Ratschläge anzunehmen und auch ihre Filme anzusehen. Es war wie ein Schlag ins Gesicht, denn die Professionalität einiger dieser Leute war jenseits aller meiner Vorstellung. Ich wundere mich immer noch, wie ich jemals die Aufmerksamkeit meiner ersten Zuschauer gewinnen konnte. Die größte Veränderung meiner Arbeitsweise war, von Freeware auf professionelle Software umzusteigen, was mir das Benutzen vieler verschiedener Spezialeffekte, das Erstellen und Verwenden von Soundeffekten, Dialogen, Storyboards und vielem mehr erlaubte… Ich war erledigt – ich würde meinen Netherdrachen niemals bekommen. Mehr als das Publikum hat sich die internationale Machinima-Community geändert und verändert auch weiterhin meine Art, Spaß zu haben.
Was hältst du von der französischen Machinima-Szene? Welche Herausforderungen haben auf deinem Weg in die internationale Szene gewartet? Wie sind deine Beziehungen zu anderen Machinima-Machern?
Die Leiter hinaufklettern
Filme zu machen schließt meist auch die Teilnahme an Filmfestivals und Wettbewerben mit ein, um die eigenen Werke bekannt zu machen. Olibith weiß das genau und hat kürzlich erst seinen abgedunkelten Editierraum für ein wenig Glanz und Glimmer des Showbusiness, und natürlich für die Anerkennung seiner Fans, verlassen. In Barcelona erhielt er 2007 auf dem Bitfilm Festival den „Machinima Award“ für sein Werk „I'm Only Sleeping“.
Ich habe direkt damit angefangen, mich auf den internationalen World of Warcraft-Seiten umzusehen und nicht besonders viele Franzosen entdeckt. Die Sprache ist ganz klar ein Hindernis für eine lebhafte und anarchische Verbreitung unserer Produktionen. In jedem Land gibt es nur eine Handvoll wirklicher Machinima-Liebhaber. Für ein echtes Publikum musste ich international sein und da mein Geschmack in Filmen und Musik ohnehin eher amerikanisch orientiert ist, war das kein Problem für mich. Also, nein, ich habe nicht besonders viel Kontakt mit anderen Franzosen, sie sind aber willkommen, in allem, was so passiert, mitzumachen – die Machinima-Szene wächst mit jedem Jahr.
Die meisten deiner Werke sind voll mit einem sehr speziellen Humor, wie setzt du dir deine Grenzen? Benutzt du die berühmten gnomischen Screening-Tests, um deine Werke zu prüfen?
Ich habe nur ein Limit: keine Gefühle zu verletzen. Abgesehen davon muss es mich einfach zum Lachen bringen, dann verfolge ich die Idee, bis es mich nicht mehr zum Lachen bringt, um dann einen Schritt zurückzutreten, und hier ist das Ergebnis: die perfekte Balance. Das lustige ist, dass nicht überall auf der Welt die gleichen Grenzen gelten – die meisten grenzwertigen Witze erhalten aus Frankreich ein weitaus positiveres Feedback als aus dem Rest der Welt. Unsere Kindheit wurde nicht in jedem Land von denselben Comiczeichnern geprägt. Und was die gnomischen Testmethoden angeht – Gnome haben bereits so viele Witze, dass sie während einer Filmvorführung nicht still bleiben können! Besucht einfach ein Treffen der Gnomes Inc. auf Kirin Tor, um euch das anzusehen! Ok, ihr solltet des Gnomischen und des Französischen mächtig sein, aber ihr müsst es mal ausprobieren. Stellt eure Dröhnkiste einfach auf Originalsprache mit Untertiteln.
Wie viel Zeit verbringst du damit, einen Kurzfilm zu erstellen, und was sind die Stationen auf dem Weg zum Ziel?
Die Idee zu formen und zu entwickeln, kann eine Menge Zeit in Anspruch nehmen – als Beispiel, jetzt gerade bin ich wieder seit 15 tagen dabei, über einem Projekt zu brüten und beginne gerade, das Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Aber wenn es einmal anfängt, hört es nie wieder auf. Ich fange normalerweise mit einem groben Storyboard an und schreibe alle meine Ideen in ein bis zwei Stunden auf. Dann fange ich direkt mit der Sequenz an, die mich am meisten von der Machbarkeit des Projektes überzeugt. Bei „I'm Only Sleeping“ hat es mich manchmal 5 Stunden an Videobearbeitung gedauert, 10 Sekunden an fertigem Videomaterial zu erhalten. Im Durchschnitt würde ich sagen, sind es 5 Stunden Bearbeitungszeit für 30 bis 60 Sekunden Film. Dann kommt die Stimmaufnahme, und ich kann euch sagen, dass ich jede Glaubwürdigkeit in meinem Haushalt verliere, wenn ich versuche, wie ein Orc zu klingen, der eine Werbesendung spricht, oder wie eine ärgerliche Elfin oder ein überraschtes Huhn. Und natürlich kann ich das auch nicht machen, während alle anderen schlafen. Sobald das erledigt ist, arbeite ich an Umgebungsgeräuschen und Soundeffekten: Wenn ich erfolgreich und schnell das tun kann, was ich will, benötigen die Effekte etwa einen Abend. Direkt danach sehe ich mir das Ganze immer wieder an und schneide hier ein wenig herum, füge dort einen Effekt hinzu oder überarbeite eine ganze Sequenz komplett neu… Ich sehe mir alles noch einmal an, um den Ton zu prüfen, einmal für die Farben, einmal für die Beleuchtung usw… Das bedeutet etwa fünf Stunden psychopathische Arbeit, aber das ist nun einmal notwendig. Dann kommt der Zeitpunkt des Renderns, wo du auf „OK“ klickst und ein paar Stunden damit verbringst, zu hoffen, dass dein Computer sich nicht aufhängt. Zuletzt lade ich das fertige Video auf die üblichen Webseiten hinauf und verstecke mich in einer Ecke, wo ich auf die Kommentare der Zuschauer warte. Danach falle ich normalerweise in eine Art Depression, einen Zustand von Gedankenleere, bis sich wieder eine Idee entwickelt, und bamm! Ich bin wieder ganz am Anfang.
Hast du zu guter Letzt noch ein paar gute Ratschläge für angehende Regisseure?
Der einzige Rat, den ich euch geben kann, ist der, niemals künstlerische Entscheidungen von den erhofften Reaktionen der Zuschauer abhängig zu machen. Die einzige Person, deren Erwartungen ihr wirklich kennt, seid ihr selbst, also stellt euch selbst zufrieden, habt Spaß oder macht euch selbst Angst.